Ausbildungstour Einführung in Felskletterei und Sicherungstechnik im kombinierten Gelände
Blaueishütte im Berchtesgadener Land 2002 unter Leitung von Markus Fink (FÜL)
1. Tag (Anreise)

Treffpunkt war der Parkplatz „Holzlagerplatz“ Hintersee/Ramsau (750 m) um 16:00 Uhr zum gemeinsamen Aufstieg zur Blaueishütte (3 h, 1680 m). Das Wetter war warm und das ständige Bergauf mit den nicht leichten Rucksäcken auf den breiten Forstweg machte jeden zu schaffen. Eine größere gemeinsame Rast machten wir auf der Schärtenalm (1359m). Der 20 min. Aufstieg zur Hütte war noch mit viel Schnee bedeckt, so das es ein beschwerlicher Gang wurde. Oben auf der Hütte angekommen war es für alle eine Erleichterung den schweren Rucksack abzusetzen. Nach dem wir unser Lager bezogen gab es um 20:00 Uhr ein reichhaltige warmes Abendessen. Um 21:00 Uhr kam noch ein Theoriepart. Es wurde das korrekte Anlegen der Gurte und die wichtigsten Knoten geübt. Mit einer kurzen Kennlernrunde ging es zur Nachtruhe in die noch leere Hütte, denn wir waren die ersten Gäste der neuen Saison.
2. Tag

7:30 Uhr – Abmarsch zum ersten Ausbildungstag. Die geplante Tour auf den Hochkalter wurde nicht durchgeführt, weil an den Osthängen des Kaltermassives einige Nassschneelawinen abgingen. Dieses so genannte „Gefahrenpotienial“ war für Markus zu heikel. So wanden wir uns den Hang zur Eisbodenscharte zu und stiegen mit den Eispickel hinauf. Jetzt wurde das kontrollierte Stürzen und Abfangen bzw. Bremsen im Schnee und Eis mit und ohne Eispickel geübt. Dabei übertrafen einige mit künstlerischen Noten Ihre Fallkünste.
Als nächstes ging es zum Kletterfelsen, wo wir jetzt das Prussiken mussten. Diese Technik kommt bei einer Spaltenbergung zum Einsatz. Aber mit der Prussiktechnik am Seil herab war für einige schon eine zeitraubende Angelegenheit. Danach stand das Abseilen auf den Programm. Es gehört schon ein wenig Überwindung dazu, sich über ein Abhang rückwärts herabzulassen. Aber beim zweiten Mal machte es schon richtig Spaß. Auf der anderen Seite vom Kletterfelsen ging es nun eigentlichen Klettern. Hier kam die Toprope-Technik zum Einsatz. Es gab zwei verschiedene Kletterrouten. So mancher entdeckte hier eine neue Leidenschaft, so das die beiden Routen mehrmals durchstiegen wurden. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es zu den Sonnenplatten, wo Markus uns mal demonstrieren wollte wie viel Haftung ein Wanderschuh auf glatten Felsen hat. Aber das Gebiet war durch Steinschlag doch zu gefährlich, so dass wir eine Lawinenverschüttetensuche durchführten. Dabei wurde der Umgang und die Techniken einer Suche mit einen Lawinenpiepser behandelt. Bei den mehreren simulierten Suchaktionen der verbuddelten Piepser gab es jede Menge Spaß. Beim abendlichen Zusammentreffen wurde der Tag noch so richtig ausgewertet. Während die Frauen sich für eine Überraschung zurückzogen, vertrieben wir ums Männer die Zeit mit „Schrummeln“ (eine Spielart von wer hat den Penny versteckt). Von den Frauen wurde uns ein Neuinterpretation des Liedes „Männer“ zum Männertag vorgetragen. Mit gemeinsam gesungenen Lieder ging der Abend gemütlich zu Ende.
3. Tag

6:30 Uhr – Markus wartet am Brunnen mit ernster Mine auf seine Teilnehmer die natürlich wieder nicht pünktlich sind. Es ging dann zügig dem Blaueisgletscher entgegen. Auf halber Höhe am Gletscher wurden zwei Seilschaften gegründet und es ging weiter steil hinauf zur Blaueisscharte. Das Wetter war durchwachsen aber man konnte einige Blicke in das Wimbachgrießtal erhaschen und sowie die Gipfel der angrenzenden Gebirgsketten sehen. Nach einer kurzen Pause ging es über Schneefelder und den Gebirgsgrat zur Blaueisspitze (2481m). Dabei wurden mehrere Zwischensicherungen verwendet. Markus nennt so was interessante Einlagen.
Nach der Gipfelrast – mit Gipfelfoto und Eintrag ins Gipfelbuch – ging es den Grat zurück zur Blaueisscharte. Mancher fragte sich, wie kommen wir hier wieder den Gletscher runter? Markus hatte die Lösung. Er verbuddelte ein Eispickel, besser gesagt er legte ein T-Anker (im Volksmund auch „Toter Mann“ genannt). An den Eispickel wurde ein Seil mit Hilfe einer Bandschlinge befestigt. Das Prussiken kam zur Anwendung. Jeder knotete sich mit ein Prussikknoten ins Seil und ab ging die Fuhre steil den Gletscher herunter in einigen sehr tiefgeratenen Trittspuren. Ein kleine Nassschneelawine vom Hochkaltermassiv ging in der Nähe unserer Abstiegsroute ab. Markus ergriff sofort die Initiative um die gesamte Gruppe schnell und sicher am Seil herunterzubringen. Weiter unten wurde eine andere Fortbewegungsart ausprobiert, das rutschen auf den Hosenboden. Das war eine Gaudi. Es ging zurück zur Hütte. Der leckere Kuchen war für die meisten der krönende Abschluss des Tages. Selbst einbeinige Dohlen warteten auf ein herunter gefallenes Kuchenstück. Aber einige zog es noch zum Klettern auf die Sonnenplatten. Nach dem Abendessen gab es wieder eine Zusammenkunft. Es ging um Wetterkunde und über den nächsten Tag sowie eine Einschätzung des bisher erlebten.
4. Tag

7:15 Uhr – Markus wartet schon wieder auf die Bummelletzten. Als Tagesziel stand heute die Schärtenspitze auf den Programm. Beim steilen Aufstieg zur Eisbodenscharte teilten wir uns wieder in zwei Seilschaften auf. Nach einer kurzen Rast und einer Querung eines Schneefeldes ging es über einen Klettersteig zur Schärtenspitze.
Das Wetter war zeitweise etwas besorgenterregend. Aber Stefan unser „Wetterfrosch“ meinte dazu das die Wolken noch keine „Cumulonimbus“ sein.Nach einer ausgiebigen Gipfelrast ging es den Normalweg zurück ins Tal. Dabei wurde wieder auf die vom Vortag geübte Prussiktechnik mehrfach angewandt.
Danach stach Markus ein Schneeprofil ab und erklärte uns den Aufbau der einzelnen Schneeschichten des letzten Winters. Mehrere testeten mit den Fingern die verschiedenen Schichten. Der Bau einer Schneehöhle für Notsituationen wurde ebenfalls besprochen.Die Haltbarkeit eines T-Ankers (verbuddelter Eispickel) wurde von einigen in Frage gestellt. So das wir uns alle einzelnen nacheinander in das Seil hinein hingen, aber der Anker hielt auch die Belastung von 11 Personen stand.
Als Folge davon hatten wir ein bombenfesten Knoten im Seil der sich nicht mehr öffnen ließ.
Wir stiegen mit durchnässten Schuhen zur Hütte ab und freuten uns wieder auf den leckeren Kuchen. Die durchnässte Kleidung wurde wieder am Kacheloffenin der Gaststube versucht zu trocknen. Nach dem reichhaltigen schmackhaften Abendessen trafen wir uns wieder im Hinterzimmer. Es ging über die Auswertung der Tour und der Führer. Dazu gab es einen Grog mit hochgeschmuggelten NORMA-Rum. Wir, die Gruppe bedankten uns bei Markus und Stefan für die tolle Tour und brachten den beiden ein selbstgedichtetes Ständchen. Die Wirtin erinnerte uns an die bevorstehende Hüttenruhe, die wir dann auch einhielten.
5. Tag (Heimreise)
Nach dem Frühstück gab es noch für jeden eine persönliche Einschätzung des Kurses. Mit einem Lied bedankten und verabschiedeten wir uns von den Hüttenwirtsleuten Fam. Hang. Um 10:00 Uhr stiegen wir gemeinsam zum Parkplatz „Hintersee“ ab. Gegen 12:00 Uhr fuhren wir aus den schönen Berchtesgadener Land zur Heimreise ab.
Für die gut gelungene und interessante Ausbildungstour bedanken wir uns bei Markus Fink (Fachübungsleiter) und Stefan Knetsch für seine tatkräftige Unterstützung.