Von Klettermaxes und spitzen Granaten

Aufstieg SonnenblickAufstieg Sonnenblick
„Boooahhh, was für ein Wetter“, war der kollektive Ausruf am Pfingstsonntag morgen, als unser Blick aus den Fenstern des Alpinzentrums Rudolfshütte auf den Himmel und die umliegenden Berge der Hohen Tauern ging und gleichzeitig die Füße zu jucken anfingen, so schnell wie möglich in die Schneeschuhe zu kommen und in die traumhafte Schneelandschaft zu stapfen, auf ins blauweiße Glück. Vor uns lag eine bereits am Vortag zum Teil gegangene Spur über verführerisch geschwungene Hänge rauf zu Sonnblick (3088 m) und Granatspitze.

Sonnenblick GipfelbildSonnenblick GipfelbildMarkus stapfte mir erheblichem Tempo voraus, als traue er dem wolkenlosen Himmel nicht über den Weg. Na ja, am Nachmittag würde der Schnee nicht mehr so schön hart gefroren sein wie jetzt und die Lawinengefahr ansteigen, aber daran dachte von uns in diesem Moment keiner, nur der Puls schnellte immer höher je steiler der Anstieg und je kürzer der Weg zum ersten Gipfel wurde.

Die Schneeschuhe und Rucksack abgestellt und einige kräftige Tritte in die Schneeflanke des Sonnblicks gehauen, und wir standen auf dem Gipfel der ultimativen Rundumsicht: im Süden die Dolomiten und der Ortler, im Westen der Großvenediger, im Norden Kaiser und Hochkönig, östlich der Johannisberg und der Großglockner, Auge was willst Du mehr!!! Staunende Glückseligkeit und einige Leckerli als Gipfellohn.

Abstief GranatspitzeAbstief GranatspitzeUnd da solche Tage bestimmt sind noch eine zweite Granate zu zünden, packte Markus am Fuße der Granatspitze das Seil aus und führte Stephan, Oli und Christoph in gewohnt souveräner Manier auf den höchsten Punkt der „explosiven“ Erhebung, während Jule und Annett im „Advanced Base Camp“ die Klettereinlage der vieren mit sonniger Gelassenheit beobachteten. Über ein paar Felsblöcke hinweg und entlang dreier ausgesetzter Schneewächten waren die 3086 m schnell und sicher erreicht, zum gegenseitigen „Berg heil“.

PrussikenPrussikenAbwärts per „Prosecco“ (die neudeutsche Umschreibung für Prusiken), und alle freuen sich auf den dann doch beschwerlichen Rückweg durch den Sulz zurück zur wohl nobelsten Hütte in den Ostalpen, die wir an diesem Pfingstwochenende fast für uns alleine hatten.

Ernst, der nette Wettermann und Diensthabende, stellte uns seine Küche zum Kochen zur Verfügung, und so genossen wir alle Vorzüge des exklusiven Hüttenlebens plus die kostenlose Nutzung der Indoor- Kletterwand. Für jede Schwierigkeit war eine passende Route dabei, und so vertrieben wir uns den Freitag, als draußen die „Weiße Hölle“ (Schnee und Nebel) herrschte, als auch die Abende mit der Suche nach dem richtigen Griff an der Vertikalen. Für die meisten eine erste und zündende Erfahrung mit der Welt der „V –„ oder VII +“. Für den Vorstieg sorgte in jedem Falle Markus mit tiefgestapeltem Können, und Niels schaffte es am Sonntag sogar eine recht schwierige Route bis zur Hüttendecke durchzusteigen.

Pfingstmontag, Tag des Abstiegs oder besser des fröhlichen Abrutschens über die Schneefelder gen Enzinger Boden. Bevor die Hosen nicht klatschnass waren hörten wir mit der Gaudi nicht auf.

Fazit: die Nas´n sauber verbrannt und geile Tage in den Alpen verbracht.