Ortler Hintergrad in drei Teilen

Ortler Hintergrad der 1. Streich (Intro von Markus Fink)


Eigentlich soll alles ganz schön werden.... war die Devise als wir zu Dritt zur Sylvesterfahrt Richtung Ortler aufbrachen. So fuhren Markus Fink mit zwei Freunden aus Halle zum König der Ostalpen, der sich leider zu diesem Zeitpunkt in ein hochgradig lawinöses Kleid packte, was uns nicht daran hinderte die schönen Berge darum zu besteigen.

Die Pfingstflucht oder Ortler Hintergrad der 2. Streich (Christoph Völkel)

Eigentlich soll alles ganz schön werden.... so jedenfalls sah der Wetterbericht fürs Vinschgau das Pfingstwochenende. Und da der Glaube bekanntlich Berge versetzen kann, sagten wir uns, die Berge sollen ruhig bleiben wo sie sind, nur wir fahren hin und gehen rauf: Markus Fink, Chef de Mission, Uwe Kersten, unser Ausländer aus Weimar, Gerhard Schumann, der „graue Panther“ und Christoph Völkel.

So startete ein frischer Passat- Wind 3 Uhr von Jena gen Ortler, kam gegen mittag am Fuß desselben in Sulden an, und die vier Wettergläubigen krabbelten zur Hintergrathütte empor um dort, in Ermangelung eines gängigen Schlüssels zum Öffnen der Eingangstür, unter hoffentlichem sternenklaren Himmel zu biwakieren und vom Aufstieg auf den Ortler zu träumen.

Die Alpträume begannen jedoch als es nachts zu schneien anfing und sich das Ortlermassiv in blickundichte Dessous verhängte. Nach einem feuchten Frühstück blieb uns nur der ebenso verregnete Abstieg zurück nach Sulden. Der dortige Bergführer machte uns nicht viel Hoffnung auf Besserung, und so fuhren wir erst mal talauswärts gen Meran.
Dort frisch informiert zum aktuellen Wetter beschlossen wir uns gen Osten in die Dolomiten aufzumachen, um den einzigen Gletscherberg, die Marmolada, zu besteigen. Es war ein Zwischenhoch für den Pfingstsonntag angekündigt, und wir glaubten mal wieder.

Unser Glauben enttäuschte uns auch nicht, als wir am nächsten Morgen früh aus dem Betten der Marmolada-Hütte stiegen und den tiefblauen Himmel im Morgengrauen sahen. Frischen Mutes überquerten wir die Staumauer des noch fast zugefrorenen Fedaja-Sees und stapften entlang des Skilifts durch den nicht besonders kalten Schnee. Schnell wurde uns klar, dass wir gegenüber den vielen Tourenskigehern klar im Nachteil waren, da wir immer öfter tief in den schwachen Firn einbrachen. Zudem wurde es in der Morgensonne sehr warm.

image009image009Nach ca. 2 Stunden Aufstieg stiessen wir mitten auf einem steilen Schneefeld auf Blankeis, das uns den weiteren Aufstieg sichtlich erschwerte. Da Gerhard keine Steigeisen dabei hatte, kehrten er und Christoph um, und Markus und Uwe setzten ihren Anstieg zum Gipfel fort. Da sich das Wetter schon wieder verschlechterte, erreichen sie den Gipfel im Nebel und hatten leider keine Sicht auf die schönen Dolomitengipfel ringsum. Inzwischen waren Gerhard und Christoph wieder zum Fedaja-See abgestiegen und erklommen den Gegenhang Richtung Pordoijoch.

Als wir uns an der Marmolada-Hütte wiedertrafen, fing es bereits wieder an zu regnen, und so stand schnell unser Entschluss fest: Wir folgen Markus‘ Behauptung, die da heiss: Wenn hier Tiefdruck herrscht, ist Fön auf der Nordseite der Alpen. Und das bedeutete: Ab ins Auto und nach Garmisch zur Zugspitze.


Abends gegen acht waren wir dort, aber von Fön keine Spur. Der schien sich laut Wetterbericht nach Thüringen verzogen zu haben, denn für Oberbayern war nur Regen angesagt. In einem Akt von Verzweiflung und Heimatverbundenheit bissen wir in den sauren Apfel und fuhren weiter in den Thüringer Wald. Wir „booften“ in der Schützhütte am Parkplatz „Ruppberg“, genossen am nächsten Morgen den Sonnenschein und wanderten zu den 12 Aposteln im Kanzlersgrund. Ausrüstung zum Sportklettern hatten wir ja dabei. Markus hatte sogar an Kletterschuhe gedacht.

So verging der Pfingstmontag beim Sonnen zwischen III+ und VII-, je nach Können.

Gerhard verstieg einen Teil seiner Rente (ca. 6 Bierkästen), und nach diesem Wochenende fragte sich jeder von uns, woher wir Sonnenbrand bekommen haben.
Fazit: Nicht immer ist Petrus auch ein Freund der Bergfexen, oder Herrn Kachelmanns und Cos. Glaskugeln waren gerade mal trübe.

Ortler Hintergrad der 3. Streich (Uwe Kersten)

Eigentlich soll alles ganz schön werden.... so fuhren Uwe Kersten aus Weimar und Markus Mitte August wieder zum König der Ostalpen….ab dem Reschenpass war die Strasse dann auch trocken. Der Ortler war aber vor lauter Wolken nicht zu sehen. Wieder ging es auf die Hintergrathütte, welche allerdings diesmal nicht verschlossen war.

image 009image 009Als wir die Hütte erreichten, waren die letzten Wolken in den Gipfeln verschwunden, der Mond lugte über die Zufallspitze, und die aufziehende Kälte verhieß einen wunderbaren Folgetag. Auf der Hütte übernachteten erwartungsgemäß viele (ca. 30) Hintergrataspiranten, mit denen wir uns am nächsten Tag den Hintergrat teilen sollten. Markus traf gleich Bekannte, mit denen er kürzlich einen Lehrgang besuchte. Nach einer kurzen Nacht wurden wir 4.00 Uhr geweckt, Frühstücken und fertig machen. Gegen 5 Uhr setzte sich eine Lichterkette in Richtung Hintergrat in Bewegung.


Anfänglich im Dunklen über ausgetretene Seitenmoränen und Schutthalden ging es hinauf zu Kletterstellen im 3-4 UIAA Grad. Mit viel Sichern (Markus stieg vor, legte Sicherungen oder das Seil zwischen die Felsen, und ich kam am straffen Seil nach und baute wieder ab) ging` s dann weiter bis zu einigen Firnfeldern die den Felsgrat unterbrechen. Die immer wieder auftretenden Staus kamen mir gerade recht, um ab und zu mal am Grat zu verschnaufen und etwas zu trinken.


Nach dem oberen Firnfeld ging` s dann weiter wie gehabt, meistens am Seil. Markus kletterte trotz des über 20 kg Rucksack wie im Klettergarten, mir war der schwere Rucksack überaus hinderlich, die Felsen durch den Schnee oft zu glatt.
Bereits unten am Grat hatten wir erfahren, dass am Hintergrat vorige Woche zwei Bergsteiger unabhängig voneinander tödlich abgestürzt waren. Dies beruhigte nicht gerade und machte mich noch vorsichtiger, was natürlich auf Kosten der Zeit ging.

Markus im VorsteigMarkus im Vorsteig


13.00 Uhr, also erst nach 8 Stunden standen wir dann auf dem Gipfel. Überwältigend war für mich vor allem die grandiose Rundumsicht. Von dieser Sicht, dem kalten, klaren Wetter hatte ich immer geträumt, wenn ich mal oben stehen würde. Nach ausgiebigem Photo shooting und einer Brotzeit nahmen wir am Seil den Abstieg über den Normalweg in Angriff.



Dies gelang recht zügig und problemlos (mit vielen Fotopausen) bis zum Lombardi Biwak. Hier wollten wir die Nacht verbringen.



Die Biwakschachtel war zu unserer Überraschung sehr gepflegt und gut mit Matratzen und Decken ausgerüstet, wir freuten uns schon auf den schönen Abend in der Schachtel, in der 5 Liegen waren. Gegen 19 Uhr kam noch eine Dreierseilschaft, welche wir auf dem Hintergrat überholt hatten, und übernachtete mit auf der Biwakschachtel.



Geweckt haben uns nicht wie befürchtet die Bergsteiger des Normalweges, sondern die ersten Sonnenstrahlen. Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir alle zusammen Richtung Payerhütte auf.



Der tägliche „Wahnsinn“: Stau auf dem Normalweg.
Zur Payerhütte ging es über den Grat und den mit Ketten gesicherten Abstieg.
Ich war erleichtert, gesund und munter wieder unten zu sein.
Markus hatte mich perfekt durch die schwierigen Stellen gelotst.