Altweibersommer am Harzer Hexenstieg – Von Drei Annen Hohne bis Thale

Teil 2 30.09. – 03.10. 2004


Bevor sich die 12 Bergfreunde am Abend des 30.09.04 im Jugendgästehaus in Blankenburg trafen, hatte sich schon am frühen Morgen eine 5-köpfige Rentnergruppe auf den Weg zum Brocken gemacht. Für einige war es der zweite Anlauf nach der „Wassertour“ im Mai. Bei Kaiserwetter wurde diesmal die rauhe Schönheit des Berges, der sich am Beginn des Goetheweges bei Torfhaus schon in ein herbstliches Gewand gehüllt hatte, sichtbar. Leider zeigten sich auch die enormen Waldschäden je höher wir kamen. Hunderte Wanderer aller Generationen waren an diesem Donnerstag auf dem Weg nach oben. Auch die Brockenbahn war wieder voll beladen. Beim Hexenaltar und der Teufelskanzel genossen wir im Sonnenschein die herrliche Aussicht und konnten diesmal auch gut Goethes bekannte Verse aus dem Faust I lesen:

“Die Hexen auf den Blocksberg ziehn’, die Stoppel gelb, die Saat ist grün.
Dort sammelt sich der große Hauf, Herr Urian sitzt oben auf.“

Bei diesem schönen Wetter hatten wir Zeit und Muse, die Natur und Historie des deutschesten aller Berge zu geniesen und den Abstieg zum Hochmoor, das in der Nachmittagssonne golden leuchtete, empfanden wir noch als eine Zugabe. Am Freitag setzten wir in Drei Annen Hohne unsere Tour entlang des Hexenstiegs fort.


Mit dem Bus ging es zunächst nach Wernigerode. Es folgte eine Besichtigung der von schön restaurierten Fachwerkhäusern und dem legendären Rathaus geprägten Stadt. Das von der Morgensonne angestrahlte Schloß schaute auf uns herab. Mit der Harzer Schmalspurbahn fuhren wir dann weiter bis zum Aus- gangspunkt des 2. Teiles des Harzer Hexenstiegs – nach Drei Annen Hohne.
Von hier führte uns der Weg durch herrlichen gesunden Wald nach Königshütte und weiter vorbei am Zusammenfluß von kalter und warmer Bode (die warme Bode ist stets etwa 2° C wärmer als die kalte Bode) nach Rübeland. Es war der Weg alter und neuer Bergbauregionen. Von diesen bemerkten wir erst kurz vor Rübeland die bereits bewachsenen Abraumhalden. Eine wohltuende Ruhe lag über der Bode, in der Fischreiher nach Nahrung suchten, und über dem ersten Rückhaltebecken der gestauten Bode spiegelten sich Wolken und Höhenzüge des Harzes. Kurz vor Rübeland sahen wir in der Ferne den Brocken und den Wurmberg mit Schanze. Die Hälfte des Hexenstiegs hatten wir bereits überschritten. Björn führte uns zum Ende der Tagestour zu einem herrlichen Blick auf Rübeland. Noch ahnten wir nicht, dass unterhalb des Ausblicks der Berg gesichert werden musste, weil die Gefahr eines Bergrutsches bestand. Wir dachten, dass es solche Bewegungen nur in den alpinen Gebieten gibt und wurden eines Besseren belehrt. Eine Besichtigung der Baumannhöhle war dadurch nicht möglich. Sie ist zur Zeit geschlossen. Da wir Zeit gewonnen hatten, weil wir auch die Herrmannshöhle nicht besuchten, fuhren wir einen Bus eher nach Blankenburg zurück und unternahmen dort noch einen Kurztrip auf die Felsen der Teufelsmauer ganz in der Nähe unseres Quartiers. Die kleinen „Klettereien“ machten Spaß, und wir genossen von „oben“ einen herrlichen Sonnenuntergang.

Am Sonnabend war der Tag des Wassers. Der Weg der Talsperren begann leider mit Wasser von oben – aber nur von Rübeland bis zum Kuhberg und da ging es nur durch Wald, sodaß wir keine besonderen „Blicke“ versäumten. Als wir an der Talsperre Wendefurth ankamen, setzte sich die Sonne endgültig durch. So hatten wir uns das gewünscht. Zunächst nutzten wir die von Björn angemeldete Besichtigung der Staumauer. Wir erfuhren, dass die Talsperre von 1957-1966 gebaut wurde und ausschließlich dem Hochwasserschutz dient. Der Gang durch die Staumauer war interessant und beeindruckend, vor allem was die bautechnische Leistung anlangt. Nach diesem Ausflug in die Welt der Technik ging es weiter entlang der Bode, vorbei an einladenden Forellenhöfen nach Altenbrak und weiter nach Treseburg, dem Ziel der vorletzten und Ausgangpunkt für die letzte Etappe. Zum Quartier zurück erlebten wir einen außergewöhnlichen Busfahrer, der sich nach unserem Weg und unserem Ziel erkundigte und der uns, weil er Respekt vor dem Unternehmen Hexenstieg hatte, bis zu unserem Quartier brachte. Ein wanderbegeisterter Busfahrer, ein Lob für den Harzer Fremdenverkehr.

Am Sonntag ging es dann von Treseburg aus - wir hatten unsere PKW dort vor dem Ort geparkt - bei herrlichem Sonnenschein zur letzten Etappe durch die Bodeschlucht nach Thale.
Die Schlucht ließ zwar nur spärlich die Sonnenstrahlen auf die immer wildere Bode herein, aber das ist nun mal so in einer Schlucht, die hier auch noch sagenumwoben von Brunhilde erzählt, die mit ihrem Pferd von der Roßtrappe über die Bode zum Hexentanzplatz sprang und von Bodo, der ihr folgte und jämmerlich in den tosendenden Fluß stürzte. So richtig glaubhaft ist diese Geschichte nicht. Jedoch den Abdruck von dem Huf des Pferdes beim Absprung wollten wir schon sehen und nahmen den kleinen Aufstieg von 250 Höhenmetern gern in Kauf, auch wegen des herrlichen Ausblicks von ganz oben. Die Beobachtung eines Eisvogels und eines Eichelhähers aus unmittelbarer Nähe war uns auf diesem Weg noch geboten worden, nachdem wir kurz zuvor im Bodetal einen wunderschönen Feuersalamander gesehen hatten.

Zufrieden über diese reich an Naturschönheiten ausgestattete Tour stiegen wir von der Roßtrappe ab, kehrten noch im Königskrug ein und nahmen die letzten Meter des Hexenstiegs unter unsere Sohlen. Am Parkausgang in Thale vergewisserten wir uns an der Wandertafel. Wir waren die Nordroute über den Brocken gelaufen und es waren 95 km angezeigt. Eingeschlossen so manchen kleinen Abstecher können wir ruhig von 100 km ausgehen. Bis zur Busabfahrt ließen wir auf den Parkbänken unsere Seele im Altweibersommer baumeln und mit Eduard Mörike unsere Tour Revue passieren:

„Im Nebel ruhet noch die Welt
Noch träumen Wald und Wiesen.
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt
Den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt,
in warmen Golde fließen.“


Und es kam „unser“ Busfahrer und brachte uns, ohne eine Haltestelle zu haben, direkt zu unseren PKW. Freundlichkeit ist eben nicht nur eine Laune, sondern die hat Charakter.
Wir bedankten uns, tauschten die Wanderschuhe gegen Sportschuhe und verstauten die Rucksäcke, aus denen noch die letzten Happen entnommen wurden. Wir bedankten uns bei Björn, der wieder in hervorragender Qualität geführt hatte und uns nicht nur den Weg zeigte, sondern auch auf so manche Besonderheit dieser Gegend aufmerksam machte und so unser Wissen über dieses Stück Heimat bereicherte.